Was sind genossenschaftliche und private Molkereien?

Es gibt in Deutschland zwei Molkerei-Unternehmensformen: Die Genossenschaftlichen Molkereien und die Privatmolkereien.

Die genossenschaftlichen Molkereien (als Zusammenschluss von mehreren Landwirten)

Die Rohmilch wird an einem zentralen Ort gesammelt und verarbeitet. Die hergestellten Milchprodukte werden von der Genossenschaft vertrieben, was eine Risikominimierung für den Einzelnen bedeutet.
 
Die einzelnen Mitglieder (und damit Miteigentümer) erwerben das Recht, aber auch die Pflicht, ihre Rohmilch an die Genossenschaft abzuliefern. Im Gegenzug erhalten sie eine Auszahlung, die monatlich durch die Milcherzeuger in Vorstand und Aufsichtsrat festgelegt wird.

Entscheidend für die Höhe der Auszahlung sind insbesondere die Absatzmöglichkeiten und die Preise auf den Märkten, die abgelieferte Menge sowie die Qualität der Milch, die ebenfalls nach gemeinsam festgelegten Kriterien eingestuft und in Geldwert umgerechnet wird. Aber auch die am Markt verfügbare Gesamtmenge übt einen Einfluss aus.

Um Mitglied zu werden und Milch anliefern zu dürfen, müssen die Landwirte jedoch Kapital in die Genossenschaft einbringen. Dies geschieht durch die sogenannte „Zeichnung“ (den Kauf) von Genossenschaftsanteilen. Dabei steht die Höhe der „Zeichnungssumme“, also der Umfang der erworbenen Genossenschaftsanteile, in einem Verhältnis zur Menge Milch, die der Landwirt abliefern will.  

Heute werden in Deutschland rund 70 Prozent der produzierten Milch von Genossenschaften erfasst und verarbeitet. Nicht alle Genossenschaften haben eine eigene Verarbeitung. Sie verkaufen die gesammelte Milch ihrer Mitglieder an andere Milchverarbeiter weiter. Die größte Genossenschaft in Deutschland ist die DMK Deutsches Milchkontor GmbH. Daneben gibt es zahlreiche mittlere und kleinere Genossenschaften, die sich über alle Regionen Deutschlands verteilen, allerdings mit einem Schwerpunkt im Süden.

In den Regionen der ostdeutschen Bundesländer waren die privaten Genossenschaften während der Zeit der DDR aufgelöst und durch staatlich organisierte Landwirtschaftliche Produktionsgesellschaften (LPG) ersetzt worden.

Die privaten Molkereien

Private Molkereien sind in der Regel mittelständische Betriebe. Insgesamt werden rund 30 Prozent der deutschen Milch durch die privaten Molkereien erfasst. Verarbeitet werden jedoch etwa 35 Prozent, da die Unternehmen z. T. Milch von sogenannten Milchliefergenossenschaften zukaufen.
Organisiert sind sie entweder als Kapitalgesellschaften oder als Personengesellschaften. Die meisten privaten Molkereien sind dem Bundesverband der Privaten Milchwirtschaft (BPM) angeschlossen.

Die multinationalen Molkereiunternehmen

Die großen multinationalen Unternehmen sind entweder Genossenschaften oder Privatunternehmen. Sie sind vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten entstanden. Zum einem haben sie sich aus mittelständischen Betrieben heraus entwickelt, die sich entweder stetig vergrößert, mit anderen zusammengeschlossen und international ausgerichtet haben (z.B. Müller) oder die von großen internationalen Lebensmittelkonzernen übernommen wurden (z.B. Mondelez).

Die Milcherzeugergemeinschaften

Milcherzeugergemeinschaften, die sich traditionell im Süden Deutschlands befinden, zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Mitglieder, in der Regel kleinere Milchviehbetriebe, ihre Milch bündeln und auf Grundlage eines privatrechtlichen Vertrages zu einem fest vereinbarten Preis und mit festgelegten Qualitätsstandards an Privatmolkereien liefern. Somit erreichen Milcherzeugergemeinschaften häufig einen sicheren, überdurchschnittlichen Milchpreis.

Weitere Informationen

Milkipedia - Das Milchlexikon

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