Wird der Milchpreis weiter steigen?

Ursache für den Preisdruck waren hohe Milchanlieferungen weltweit sowie eine stockende Nachfrage aus China und Russland. Aktuell steigt der Milchpreis wieder.

Diese Situation am Milchmarkt ist nicht neu. Auch zu Zeiten der Milchquote gab es zeitweise katastrophale Milchpreise.

Wie hoch ist der Milchpreis momentan wirklich?

Der Milchpreis in Deutschland ‎beträgt laut amtlicher Statistik für den Monat Oktober 2016 28,84 Cent je kg und liegt damit 3 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der Milchpreis unterliegt in Deutschland derzeit vielmehr einer großen Spannweite. Die allermeisten Molkereien zahlen derzeit einen Preis von rund 30-35 Cent je Kilogramm Milch. Es gibt nicht zuletzt deutliche Unterschiede zwischen den Regionen. Nur einzelne Abnehmer von Rohmilch zahlen ihren Milcherzeugern aktuell einen Preis von weniger als 30 Cent – umgekehrt zahlen auch einige Molkereien Preise über 35 Cent.

Es ist allen Beteiligten klar, dass Milchpreise auf diesem Gesamtniveau für die Milcherzeuger und Molkereien über einen längeren Zeitraum nicht tragbar sind und unweigerlich zu einem verstärkten Strukturwandel mit Betriebsaufgaben auf beiden Seiten führen.

Wird der Milchpreis weiter steigen?

Die Molkereien haben einen Preis von mehr als 30 Cent als ein mögliches Preisniveau für die nächsten Monate angekündigt.

Hintergrund dazu: Die in die Intervention der europäischen Union angelieferten Mengen an Magermilchpulver entsprechen einem Milchpreisniveau von etwa 21 Cent. Die EU hat die Marktsituation derzeit bereits durch den Kauf über 300.000 Tonnen Magermilchpulver unterstützt (Stand: Dezember 2016). Der sich aus der Intervention ergebende Milchpreis stellt letztlich ein Benchmark in der jeweiligen Marktsituation dar. In den letzten Verhandlungsrunden gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel konnten für die Milcherzeuger zudem deutlich bessere Abschlüsse bei Käse (Herbst 2016) und für die weiße Linie wie Trinkmilch (November 2016) durch die Molkereien erreicht werden. Insbesondere die Preise für Butter haben sich durch die geringe zur Verfügung stehende Menge an Fett deutlich erhöht. Die geringeren Fettmengen lassen sich durch eine geringere Milchanlieferung sowie einen guten Absatz erklären.

Nicht nur dies zeigt die enorme Leistung der Molkereien, dass die großen Milchmengen der vergangenen Wochen und Monate angenommen, verarbeitet und vermarktet worden sind - die Erzeuger wurden keinesfalls von den Molkereien im Regen stehen gelassen. In der aktuellen Marktsituation mit einem international besseren Gleichgewicht bei Angebot und Nachfrage und auch einem international besseren Preisniveau für Milchexporte ist es daher umso wichtiger, ein deutliches Zeichen zur aktuellen Marktlage an die Milcherzeuger zu geben.

Die Milchmengen in Deutschland sind in den letzten Wochen nicht mehr überproportional gestiegen und liegen deutlich unter der Vorjahreslinie. Ob dies letztlich eine Reaktion auf die Entwicklung der Erzeugerpreise ist, lässt sich noch nicht evaluieren. Wichtig ist jedoch, dass mit zurückgehenden Milchmengen die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass der Markt sich in absehbarer Zeit weiter erholen wird.

Warum wird zu viel Milch produziert?

Bei attraktiven Preisen steigt die Milchproduktion. Wenn dann die Nachfrage, z. B. in Folge des schlechten Dollarkurses, am Weltmarkt sinkt, kann die produzierte Milch nicht mehr abgesetzt werden. Der Preis sinkt. Einige Milcherzeuger versuchen nun durch eine erhöhte Milchproduktion, genauso viel Geld jeden Monat zu verdienen wie zu den Zeiten mit guten Preisen. Durch dieses inverse Angebotsverhalten helfen sie vielleicht ihrem eigenen Betrieb, verschlechtern aber die Aussicht auf eine schnelle Besserung für die Gesamtbranche.

Ist der deutsche Milchpreis im internationalen Vergleich hoch oder niedrig?

Der deutsche Milchpreis steht in der statistischen Mitte. Kleinere südliche Länder mit niedrigem Versorgungsgrad haben einen höheren Milchpreis, Länder mit hohem Exportanteil wie Irland liegen unter uns. Der deutsche Milchpreis ist ähnlich dem französischem.

Was beeinflusst den Milchpreis?

Entgegen der Annahme vieler Verbraucher, wird der Milchpreis nicht von den Molkereien diktiert. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, das gilt auch am Milchmarkt. Steigt der Preis für Milchprodukte, geht die Nachfrage zurück. Ein hoher Milchpreis fördert die Milchproduktion und Übermengen drücken dann auf den Markt. Auf der Nachfrageseite wirken hohe Produktpreise absatzdämpfend und verschlechtern die internationale Wettbewerbsposition. Niedrigere Milchpreise können zum „Bauernsterben“ führen, also dem Ausstieg einzelner Erzeuger aus der Milchproduktion.

Welche Wirkung hatte die „EU-Milchquote“?

Die Milchquote war ein individuelles Produktionsrecht für Milch des einzelnen Landwirtes. Bis zu seiner Höchstgrenze durfte er - musste er aber nicht - Milch produzieren. Die Quote war somit die Produktionshöchstgrenze. Sie wurde vom EU-Ministerrat festgesetzt und wurde vom deutschen Zoll überwacht. Wer mehr produzierte, musste Strafe zahlen. Viele deutsche Milchbauern haben für 2014/15 insgesamt ca. 300 Mio. Euro Strafe zahlen müssen, weil sie die ihnen zur Verfügung stehende Quote überliefert hatten. Durch ein kompliziertes Verrechnungssystem von Über- und Unterlieferungen der einzelnen Milchquoten, konnte es jedoch für einige Milcherzeuger lohnend sein, die zugeteilte Menge bewusst zu überschreiten und dafür die Strafabgabe zu bezahlen. Die Milchquote wurde zum 1. April 2015 ersatzlos gestrichen, das haben das EU-Parlament und der Ministerrat bereits 2003 beschlossen.

Nimmt die Molkerei die gesamte Milch des Milcherzeugers ab?

Bisher ja! Gerade genossenschaftliche Molkereien müssen die ihnen angediente Milch aufkaufen, auch bei schwachen Märkten. Aber auch private Molkereien kaufen alles an. Nach Satzung herrscht „Andienungspflicht“. Diese wird seitens des Kartellamtes derzeit kritisch hinterfragt. Andererseits besteht aber auch die Abnahmeverpflichtung der Molkerei. Der Landwirt ist sich also sicher, dass seine Milch auch abgeholt wird. Dies kann gerade in Zeiten schwieriger Märkte Sicherheit geben.

Wie hoch sind die Kosten der Milchproduktion?

Das weiß niemand und ist auf jedem Hof unterschiedlich. Es hängt vom Geschick des Landwirtes und seiner Familie ab, orientiert sich stark an den Kosten für Futtermittel etc. Ist das Land im Eigentum oder nur gepachtet, wie sieht der Pachtmarkt aus? Experten schätzen die Produktionskosten zwischen 25 und 45 Cent/Liter, unterschiedlich auch nach Regionen und Können der Milcherzeuger.

Warum gibt es keinen Mindestpreis?

Die landwirtschaftliche Marktordnung kennt keinen Mindestpreis für Milch. Der Milchmarkt wird gesteuert über Angebot und Nachfrage. Wollte man einen Mindestpreis festlegen, müsste das „Brüssel“ tun. Bei den unterschiedlichen Produktionskosten in Europa fiele die Festlegung eines Mindestpreises schwer.

Viele Verbraucher sind doch bereit, einen höheren Milchpreis zu akzeptieren!

Das stimmt wohl, Käufer bei den Molkereien ist jedoch nicht der Verbraucher, sondern der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Diese stehen im Wettbewerb untereinander und werben gerne über den niedrigen Preis. Der LEH ist in Deutschland hoch konzentriert, was das Kartellamt in 2014 erneut feststellte. Keine Molkerei hat dieselbe Marktkraft wie einer der großen Spieler im LEH. Die Preise werden meist für 6 Monate im Voraus verhandelt, deshalb entsteht im Mai und November immer Pressewirbel.

Kann der Verbraucher helfen?

Sicherlich kann der Verbraucher helfen. Schauen Sie auf die Packung und kaufen Sie deutsche Produkte. Wenn Sie nicht wissen, woher die Ware stammt, schauen Sie auf die Betriebe-/ Zulassungsnummer auf der Verpackung. Dort muss ein D stehen!


Mehr FAQs zum Milchmarkt finden Sie unter http://www.milchindustrie.de/marktdaten/faq-zum-milchmarkt/

Mehr unter Milkipedia:

Weitere Informationen

Milkipedia - Das Milchlexikon

Frischkäse

Nach der Käseverordnung wird Käse entsprechend dem Wassergehalt in der fettfreien Käsemasse in verschiedene Käsegruppen unterteilt. Bei Frischkäse ist der Wassergehalt mit mehr als 73 Prozent am...

Das Kuhiz

Zahlen - Daten - Fakten

Milchproduktion in Deutschland

4,3 Mio. Milchkühe erzeugten 2015
32,6 Mio. Tonnen Milchweiterlesen