Quelle: lampentisch / www.photocase.com

Was ist der „Milchpreis“?

Bei der politischen Diskussion über den Milchpreis muss man zwischen dem Verbraucherpreis und dem Erzeugerpreis unterscheiden.

Was ist der „Milchpreis“?

Bei der politischen Diskussion über den Milchpreis muss man zwischen dem Verbraucherpreis – also dem Preis, den der Konsument für ein Milchprodukt beim Kauf im Handel bezahlt – und dem Erzeugerpreis – auch Auszahlungspreis genannt, den die Molkerei an den Milcherzeuger entrichtet – unterscheiden.

Wie errechnet sich der Auszahlungs- oder Erzeugerpreis?

Den Preis, den der Milchlieferant vom Milchverarbeiter erhält, bezeichnet man als Milchauszahlungspreis oder Erzeugerpreis. Er wird in Euro-Cent pro Kilogramm berechnet und setzt sich aus einem Grundpreis, den möglichen Zuschlägen für höhere Fett- und Eiweißgehalte sowie der Mehrwertsteuer zusammen.

Dabei bezieht sich der Grundpreis in allen Regionen Deutschlands, außer in Bayern, auf einen Fettgehalt von 3,7 Prozent und einen Eiweißgehalt von 3,4 Prozent. In Bayern liegt für die Berechnung des Grundpreises der Fettgehalt bei 4,2 Prozent und der Eiweißgehalt bei 3,4 Prozent.

Zusätzliche Qualitätskriterien, die den Milchauszahlungspreis beeinflussen, sind Keimzahl, Zellzahl und Hemmstoffe sowie der gemessene Gefrierpunkt der vom Milcherzeuger gelieferten Rohmilch.

Für den Milcherzeuger ist der Milchauszahlungspreis ein wesentlicher Bestandteil seiner betrieblichen Einnahmen, denn der Milcherzeuger führt einen hoch spezialisierten Betrieb und kann in aller Regel nur über den Kälber- und Schlachtviehverkauf zusätzliche Einnahmen erzielen. Zunehmend spielt das Einkommen aus Bioenergie, die subventioniert wird, eine Rolle.

Auch für die Molkereien hat der Milchauszahlungspreis eine wirtschaftlich zentrale Bedeutung. Je nach erzeugtem Produkt können sich die Rohstoffkosten, also der Preis für Rohmilch, auf 60 bis 90 Prozent der Gesamtkosten der Milchverarbeitung belaufen.

Wie errechnet sich der Ladenpreis für Milch?

Bis die Trinkmilch beim Verbraucher auf dem Tisch steht, sind viele Akteure an der Verarbeitungs- und Lieferkette beteiligt. Entsprechend wird der Milchpreis, den der Endverbraucher zahlt, von vielen einzelnen Faktoren bestimmt. Neben dem Erzeugerpreis, der für die Rohmilch an den Milcherzeuger bezahlt wird, schließt der Preis im Laden die Produktion in der Molkerei, die Verpackungskosten, die Lagerung, die Auslieferung, die erneute Lagerung im Handel, den anteiligen Aufwand für Verkaufsstätten und Verkauf und, nicht zuletzt, die Mehrwertsteuer ein.

In aller Regel beliefern die Molkereien die Zentrallager der großen Einzelhandelsketten direkt. Grundlage für die Lieferungen sind Verträge, die regelmäßig neu verhandelt werden – früher einmal jährlich (im Frühjahr), mittlerweile zwei Mal pro Jahr (im Frühjahr und im Herbst).

Der Einzelhandel macht dabei eine so genannte Ausschreibung, das heißt, die Molkereien haben die Möglichkeit, Angebote für die Lieferung von bestimmten Mengen an genau festgelegten Produkten abzugeben. Dabei konkurriert die Molkerei mit den Angeboten anderer Milchverarbeitungsbetriebe – früher auf regionaler und nationaler Ebene, heutzutage auch auf internationaler Ebene.

Nach Sichtung der eingegangenen Angebote treten die Handelsunternehmen mit den Molkereien in Verhandlungen, die schließlich zum Vertragsabschluss zugunsten des einen oder anderen Anbieters führen.

Diese Vertragsabschlüsse haben in den Folgemonaten eine entscheidende Auswirkung auf den Grund- und Auszahlungspreis, den eine Molkerei – ob genossenschaftlich oder privatwirtschaftlich organisiert – ihren Milchlieferanten auszahlen kann.

Entsprechend nachvollziehbar ist auch der hohe Einfluss eines nicht mehr regional oder national strukturierten Marktes, sondern eines Marktes, auf dem der deutsche Einzelhandel mittlerweile selbstverständlich auch Milchprodukte aus anderen Ländern der Europäischen Union, ja sogar aus anderen Erdteilen, einkaufen und wieder verkaufen kann. 

ife Molkereimodell Trinkmilch im Juni 2010:
bei 56 Cent Verbraucherpreis ergeben sich 28,5 Cent Rohstoffwert Milch


 

Wie sehen Erzeuger-, Verarbeiter- und Verbraucherpreise in der Praxis aus?

Im Juni 2010 kostete ein Liter Trinkmilch 56 Cent.

Davon entfielen 3,7 Cent auf die Mehrwertsteuer, 54,5 Cent auf die Handelsspanne, 6,5 Cent auf die Verpackungskosten und 1,0 Cent auf Lager- und Logistikkosten.

Erfassung, Verwaltung und Verarbeitung kosteten 9,9 Cent.

Auf 1,9 Cent beliefen sich die Kosten für die Entsorgung der Verpackung (Grüner Punkt).

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