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Von der Überproduktion zur Milchquote

Die Überproduktion im Milchsektor hatte zur Folge, dass die öffentliche Hand im großen Stil Milch und Butter aufkaufte und einlagerte, um den Preis auf dem Markt zu stützen. Doch dies wurde rasch sehr teuer.

Schon Ende der 1970er Jahre hatte die EG das Ziel ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erreicht. Die europäischen Landwirte hatten ihre Produktion maßgeblich gesteigert und verkauften Gemüse, Getreide, Milch und Fleisch von hoher Qualität zu festgelegten Preisen. Doch die Produktion stieg weiter an. Die in der EG produzierte Milchmenge, die Produktionsmenge, überschritt die Milchmenge, die die europäischen Konsumenten verbrauchten, die sogenannte Verbrauchsmenge. Es gab also immer mehr Milch und Milchprodukte. Außerdem tranken die Menschen in Europa zu der Zeit nicht mehr so viel Milch. Die Preise fielen weit unter den festgelegten Richtpreis. Die staatlichen Stellen mussten immer mehr Milchpulver und Butter aufkaufen.

Der "Landwirtschafts-Fonds"

Das Geld für diese Stützkäufe wurde einem gemeinsamen Topf entnommen, dem Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für Landwirtschaft, kurz EAGFL. In diesen Topf zahlten alle EG-Mitgliedsstaaten Geld ein. Doch Mitgliedstaaten mussten immer mehr in diesen Fonds einzahlen, denn die Milcherzeuger produzierten immer weiter und immer weiter zuviel. Das etablierte System hatte eine Eigendynamik entwickelt, die es aus der Sicht der Steuerzahler politisch nicht mehr akzeptabel erschien.

Die EG als Abnehmer

Mit dem Interventionspreis als garantierten Mindestpreis gab es auch einen sicheren Abnehmer: den Staat, bzw. die Europäische Gemeinschaft. Für eine Molkerei war es unter Umständen einträglicher, viel Milchpulver an den Staat als an den europäischen Markt zu verkaufen. Die Folge war, dass die öffentliche Hand immer mehr Geld in das Aufkaufen und die Lagerung von Milch und Butter investieren mussten. Unter erheblichen Kosten für die Staatshaushalte der EG-Mitgliedsländer kam es zu den sprichwörtlichen „Butterbergen“ und „Milchseen“. Außerdem zahlte die EG weiter die sogenannten Exportzuschüsse. Doch die staatlichen Lager leerten nicht. Sie wurden im Gegenteil immer voller. Dies ist jedoch Vergangenheit.

Die Einführung der Milchquote als Ausweg aus den Butterbergen

Im Grunde hatte die EG also drei Mal für die Milch bezahlt: Sie hatte sie gekauft ohne sie zu verbrauchen; sie hatte sie kostspielig gelagert und anschließend unter erheblichen Kosten verbilligt. Als die Mitgliedsstaaten der EG feststellten, dass sie auf diese Weise mehr als die Hälfte ihres Gesamthaushaltes für die Landwirtschaft ausgeben mussten, beschlossen sie eine grundlegende Änderung ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik. Im April 1984 führte der EG-Ministerrat eine Obergrenze der in der EG produzierten Menge an Milch ein: die Milchquote.

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