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Milcherzeuger protestieren gegen niedrige Milchpreise

Erneut demonstrieren in diesen Tagen deutsche Milchviehhalter, um auf die niedrigen Marktpreise für den von ihnen erzeugten Rohstoff Milch hinzuweisen. Auch in anderen europäischen Ländern wird in den nächsten Wochen mit Protestaktionen von Milchbauern zu rechnen sein.

Bereits im vergangenen Jahr haben deutsche Milchbauern versucht, durch einen "Milchlieferboykott" die Milchindustrie zur Zahlung höherer Preise zu veranlassen und die deutsche Politik für gezielte Maßnahmen zur Stützung des Milchmarktes in Deutschland und in der EU zu gewinnen.

Was ist der Grund für die anhaltend schlechte Situation am Milchmarkt?

Die schwierige Situation am deutschen und europäischen Milchmarkt ist nicht neu, hat sich aber im Zusammenhang mit der internationalen Wirtschaftskrise seit Sommer letzten Jahres weiter verschlechtert. Sinkender Absatz im In- und Ausland hat die Weltmarktpreise für Milch und Milchprodukte auf einen Tiefstkurs gedrückt.

Die Brüsseler Marktverwaltung versucht zwar dagegen zu steuern; der Effekt jedoch bleibt begrenzt. Letztendlich bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Der Handel kann derzeit günstigere Einkaufspreise bei den Molkereien aushandeln; im Effekt bedeutet dies jedoch, dass die Molkereien in Europa nicht mehr in der Lage, Milchpreise auszuzahlen, die die Kosten der Milchproduktion beim Landwirt decken.

Eine Stabilisierung der Preise ist erst zu erwarten (dann aber tatsächlich auch möglich), wenn weniger Milch als derzeit produziert wird. Wird weiter zu viel Milch produziert, bleibt der Erzeugerpreis auf niedrigem Niveau oder fällt sogar noch tiefer. Andere landwirtschaftliche Märkte (so genannte Produktmärkte) kennen den Mechanismus schon lange: Sinkt, zum Beispiel, die Nachfrage nach Schweinefleisch, werden weniger Ferkel in die Mast übernommen. Fehlt Fleisch im Geschäft, steigt der Preis und die Ferkel werden aufgestallt.


Woran scheitert bislang die Selbstregulierung des Milchmarktes?

Seit einigen Jahrzehnten ist es in Europa gängige Praxis, dass die EU-Verwaltung den Milchmarkt stützt, sobald die Preise fallen. Im Rahmen der jüngsten, umfangreichen Reformen der EU wurde diese Form der gezielten Stützung eines bestimmten Produktmarktes (hier der Markt der Milch und der Milchprodukte) zurück genommen. Stattdessen überweist die EU jetzt einen Teil des eingesparten Geldes direkt auf die Konten der Landwirte und überlässt die Preisgestaltung den Kräften am Markt (Angebot / Nachfrage; Produzent / Abnehmer).

Überhaupt soll der europäische Milchmarkt künftig ein freier Markt werden, das heißt, er soll sich ohne Stützung oder Subventionen selbst regulieren. Ab 2015, so hat die EU-Kommission mit Zustimmung der Bundesregierung beschlossen, wird es keine Milchquote mehr geben. Jeder Milcherzeuger kann ab diesem Zeitpunkt folglich eine unbegrenzte Menge Milch an die Molkereien verkaufen. Bis 2015 wird die Milchquote Schritt für Schritt erhöht, was derzeit zu einer voraussehbaren Überproduktion an Milch führt, die nun auch noch auf eine niedrigere Nachfrage trifft. – Zwei Faktoren, die Preis senkend wirken, treffen aufeinander.

Könnte denn die Milchproduktion trotz Milchquote sinken? Selbstverständlich. Denn niemand ist verpflichtet, seine erlaubte Höchstmenge an zugeteilter Milchquote zu "ermelken".



Der Milchpreis wird immer schwanken

Im Sommer 2007 erlebte der Markt die gegenläufige Entwicklung als derzeit. Die Preise für Milch und Milchprodukte waren EU-weit, aber auch am Weltmarkt, förmlich explodiert. Politiker forderten staatliche Gegenmaßnahmen; manche forderten sogar die Erhöhung der Sozialhilfe wegen der gestiegenen Preise für Milch und Milchprodukte. 

Grund für den Preisanstieg war seinerzeit ein Mangel an Rohmilch am Weltmarkt, was sich rasch auch auf den Markt in Europa und Deutschland auswirkte. Die Lager waren leer gekauft. Die Preise stiegen rapide an. Zur Freude der Landwirte, die teilweise die höchsten Erzeugerpreise seit vielen Jahrzehnten erzielen konnten. Andererseits zu Lasten des Verbrauchers, der seine Milch und Milchprodukte zu erheblich höheren Preisen einkaufen musste.


Warum aber stürzte der Preis so schnell wieder ab?

Hier kamen mehrere Faktoren zusammen: Die Verbraucher kauften wegen der höheren Preise weniger Milchprodukte ein. Die weiterverarbeitende Industrie, wie, zum Beispiel, Bäcker und Eiscremehersteller, ersetzten Rahm durch Pflanzenfett. – Die Folge waren wachsende Lagerbestände und damit fallende Preise.

Hinzu kam dann die Finanz- und Wirtschaftskrise, im Zuge derer auch die internationalen Einkäufe von Milch und Milchprodukten stark zurückgingen.

Der Versuch seitens der EU, durch eine Erhöhung der Vermarktungsbeihilfen gegenzusteuern, wird zwangsläufig von begrenztem Erfolg sein, so lange nicht auch die Menge der Milch reduziert wird, die weiterhin „ermolken“ und angeboten wird.

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