(ZMB/WO) 2009 war ein bewegtes Jahr am deutschen Milchmarkt.
Die Milchanlieferung erreichte einen neuen Rekord. Die Nachfrage wurde von der Wirtschafts- und Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen und zwischen Angebot und Nachfrage stellte sich ein Ungleichgewicht ein. Der Markt musste durch Intervention entlastet werden. Die Milchpreise gerieten wieder unter den Einfluss der administrativen Preise und gaben damit deutlich nach. Seit Herbst 2009 setzte eine Erholung ein, die die Erwartungen vieler Marktbeteiligter übertraf.
Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung bewegte sich 2009 nach bislang vorliegenden Daten in ähnlichen Dimensionen wie in den Vorjahren. Mitte 2009 wurden in Deutschland 97.400 Milchviehhaltungen gezählt, das waren 3,5 % weniger als ein Jahr zuvor. Das Interesse am Quotenkauf war trotz der historisch niedrigen Milchpreise ungebrochen. Für 536.000 Tonnen Milch wurden 2009 Quoten über die Börse gehandelt, rund 50.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Das Angebot an Quoten nahm im Vergleich zum Vorjahr zu, die Nachfrage ab. Der Nachfrageüberhang fiel geringer aus als in den Vorjahren. Die Quotenpreise gaben weiter nach, was aufgrund der immer kürzeren Nutzungsdauer bis zum Auslaufen der Quotenregelung im Jahr 2015 den Erwartungen entspricht. Im Durchschnitt der drei Börsentermine im Jahr 2009 lagen sie bei 0,18 Cent/kg und damit um 0,16 Cent/kg niedriger als im Durchschnitt von 2008, was fast einer Halbierung entspricht. Beim November-Termin stiegen die Preise nochmals leicht an, was auf Diskussionen um die Änderung der Saldierung zurückzuführen sein könnte.
Bei den Produkten des weißen Sortiments war 2009 keine einheitliche Tendenz festzustellen. Die Produktion von abgepackter Trinkmilch stieg im zweiten Jahr in Folge an, während in der Gruppe der Frischprodukte wie Joghurt, Milchmischgetränke und Desserts im zweiten Jahr in Folge ein Produktionsrückgang festzustellen war. Bis einschließlich 2007 war diese Produktkategorie von einem kontinuierlichen Wachstum gekennzeichnet gewesen. Die Produktionsveränderungen im weißen Sortiment waren teilweise auf Änderungen im Auslandsgeschäft zurückzuführen. Bei Konsummilch waren steigende Exporte zu verzeichnen, bei den Frischprodukten hingegen sinkende. Der Haushaltskonsum ging nach den Erhebungen der GfK sowohl bei Trinkmilch wie auch bei Joghurt zurück. Bei Joghurt fielen die Absatzrückgänge mit einem Minus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr in den ersten zehn Monaten von 2009 überraschend groß aus.
Der Markt für Magermilchpulver war 2009 von einer deutlichen Ausweitung der Produktion und umfangreichen Verkäufen an die Interventionsstellen gekennzeichnet. In Deutschland wurden schätzungsweise 320.000 t Magermilchpulver hergestellt, das waren rund 30 % mehr als im Vorjahr und die höchsten Mengen seit dem Jahr 2000. Ursachen für den starken Anstieg waren die höhere Milchanlieferung und die zunehmende Verbreitung der Eiweißstandardisierung. Außerdem hat der Rückgang der Produktionen von Kasein und Vollmilchpulver Magermilchmengen für die Trocknung freigesetzt. Die höheren Magermilchpulver fanden keine Käufer am Markt, zumal sich bereits 2008 ein gewisser Bestandsaufbau – damals vollständig in privater Hand – abgespielt haben dürfte. Hinzu kommt, dass die Kälbermilchindustrie, die vor wenigen Jahren noch ein Drittel der gesamten EU-Produktion an Magermilchpulver aufgenommen hat, seit 2007 dauerhaft weniger Magermilchpulver einsetzt. So wanderten 2009 erstmals seit 2003 wieder umfangreiche Mengen in die Intervention. In Deutschland beliefen sich die Ankäufe auf 66.613 t. Das waren rund 21 % der gesamten Produktion und die höchsten Mengen nach 1991. Vor Beginn der Intervention ab Anfang März waren die Preise unter die Interventionsverwertung gesunken. Im Herbst kamen die Verkäufe an die Interventionsstellen zum Stillstand und die Preise stiegen wieder an, allerdings nicht so kräftig wie die für Butter. Im Jahresdurchschnitt lagen die Preise für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität bei 1.780 EUR/Tonne. Das waren rund 500 EUR je Tonne weniger als noch 2008 und der tiefste Stand seit Anfang der 1980er Jahre.
Der Verbrauch im Inland war eher von Stagnation gekennzeichnet, insbesondere, was die Produkte des weißen Sortiments und Käse betrifft. Die Gfk weist für alle wichtigen Warengruppen für die ersten zehn Monate von 2009 Absatzrückgänge im Vergleich zu 2008 und 2007 aus. Einzige Ausnahme ist Butter. Der Einfluss von schwankenden Verbraucherpreisen scheint sich nicht im gesamten Sortiment der Molkereiprodukte in gleicher Weise auf den Verbrauch auszuwirken. Im Lauf von 2009 kam es im Frühjahr zu deutlichen Senkungen der Großhandels- und Verbraucherpreise für Trinkmilch und andere Produkte des weißen Sortiments. Die Preisrückgänge haben den Absatz nicht stimuliert, wohingegen Preiserhöhungen im Jahr 2007 offensichtlich Preisrückgänge nach sich gezogen haben. Bei Butter scheinen die Verbraucher auf Preissenkungen stärker reagiert zu haben.

Die Fermentation ist ein Prozess, bei dem mit Hilfe von Bakterien, Pilzen oder Zellkulturen die Milch angesäuert und dadurch angedickt wird. Sie ist ein wichtiges Verfahren bei der Herstellung von Sauermilchprodukten wie Joghurt oder...

Export 44%
Lebensmittelhandel 40%
Industrie, Ernährungsgewerbe, Großverbraucher 16%weiterlesen